Geschichtlicher Hintergrund unserer Uniform

Die historische Reisläuferuniform, welche die Tambouren Sempachersee seit März 2008 tragen, fand ihre Anfänge beim Tambourenverein Neuenkirch. Im Jahre 1988 wurden Gedanken und Ideen für mögliche Uniformen zusammengetragen und zu Papier gebracht. Im Sommer 1989 war es dann soweit, der Verein konnte eine Uniformierung feiern. Walter Müller, welcher Mitglied des Vereins war und an der Gestaltung der Uniform stark mitgearbeitet hat, schrieb folgenden Text anlässlich der Uniformierung:

Auf des Bübleins Frage, ob es auf der anderen Seite des Gurtens auch Leute gebe, antwortete die Mutter vorsichtig: „Mer wei ned grüble.“ Hinter diesem Berner Witz steckt die Erkenntnis, dass wir dazu neigen, die Heimat als Nabel der Welt anzusehen und diese menschliche Schwäche hat schon manchen dazu verleitet, alles was mit Trommeln zu tun hat, als baslerisch hinzustellen. In der Tat und Wahrheit ist es aber nicht einmal rein schweizerisch.

Nach der Spätgotik kam in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts die Renaissance auch in der Mode zur Geltung. Die Zeit der Reformation in Deutschland brachte für die Kostümgeschichte einen einschneidenden Umschwung. Der eng anliegende Wams und die knapp gespannten Beinlinge der Männertracht wurden radikal und auf eine primitiv-naive Weise verändert. Man schnitt Hose und Wams an den Stellen, die die Bewegungen am meisten einengten, also an Schultern, Arm- und Beingelenken einfach auf und unterlegte die so entstandenen Schlitze mit anderen, meist hellerem Stoff, dessen Falten sich durch die Öffnungen des Oberkleides durchbauschten.

Allgemein wurde diese Neuerung den Schweizer und deutschen Landesknechten zugeschrieben. „Bis dahin hatte niemand buntfarbige, zerhauene Kleider gesehen, aber jetzt mussten sich die Schneider daran machen, solche Flickerkünste zu erlernen, denn die heimkehrenden Soldaten führten allerlei Neuerungen zu Hause ein“, schreibt der Humanist Konrad Pellicanus.

Zunächst wehrte sich die vornehme Welt noch gegen diese Seltsamkeiten, aber als der Kaiser selbst seine Soldaten in Schutz nahm mit den Worten: „Lasst sie doch gehen, bei ihrem unseligen und kümmerlichen Leben muss man ihnen den Spass gönnen“, schien die Flut des neuen Trachtengeistes alle Welt mitfortzureissen. „Zerhauen und zerschnitten, nach adeligen Sitten“, nannten die Landsknechte selbst diese wilde und flotte malerische Tracht.

In der Zwischenzeit hat sich natürlich vieles geändert und anstelle der rauhen Haudegen der Reisläuferzeit tragen nun die Mitglieder des Tambourenvereins Neuenkirch die Uniform der Landsknechte. Wie lässt sich das nun aber mit der Gegenwart vereinbaren, wird doch gerade in diesen Tagen über eine eventuelle Abschaffung unserer Armee diskutiert.

Unsere Trommel ist ein Instrument, das nur dank der Reisläuferei eine so grosse Beliebtheit erlangte, denn im zivilen Leben wurde sie kaum eingesetzt. Ohne die Dienste in fremden Heeren würden wir heute nicht in der uns vertrauten und virtuosen Art die Trommel schlagen. Viele rhythmische Einflüsse, Schlagabfolgen und Grundlagen flossen aus Frankreich und England in unser ehemals sehr einfaches Trommelspiel ein. Reisläufertracht und Trommel gehören ganz einfach zusammen.

Die ursprüngliche mit Schnitten angestrebte Bewegungsfreiheit lässt sich symbolisch auch auf unseren Verein übertragen, sind wir doch bei fünf verschiedenen Musiken verpflichtet, die Tambourengruppe zu stellen. Mit dem neuen rot-weissen Reissläufer-Tenü passen wir in jedem Fall zu den diversen Uniformen der einzelnen Korps.

Im Text wird häufig der Begriff „Landsknecht“ genannt. Als Landsknecht bezeichnet man den zu Fuss kämpfenden, zumeist deutschen Söldner des späten 15. Und des 16. Jahrhunderts, dessen primäre Waffe nach Schweizer Vorbild die Pike (Vorläufer der Hellebarde) war. Doch auch der Begriff „Reisläufer“ wird erwähnt. Schweizer Söldner waren bis ins 17. Jahrhundert im Dienste zahlreicher europäischer Herrscher und wurden als Reisläufer bezeichnet. Das mittelhochdeutsche Reis bedeutet hierbei Aufbruch, das Fortbewegen oder Reisen, in diesem Zusammenhang die Kriegs-Reise, den Kriegszug.

Korrekterweise muss man deshalb von einer Reisläuferuniform sprechen.

Die Reisläufer reisten selten alleine. Meist begleiteten Marketender oder Marketenderinnen (lat. "mercatante" =Händler, Kaufmann) die militärischen Truppen. Ihre Aufgabe bestand darin, die Reisläufer zu verpflegen und medizinisch zu versorgen.

Unsere Hellebardiere sind mit einer Sempacher Hellebarde (Namensgeber Schlacht bei Sempach, 9. Juli 1386) bewaffnet, welche auch Halparte Zug genannt wird. Sie gilt als typische Innerschweizer Hellebarde mit einem alten Schweizerkreuz und wurde bis ins 16. Jahrhundert noch verwendet.

Heute besteht die Aufgabe der Marketenderinnen und der Hellebardiere vor allem darin, das Gesamtbild des Vereines an Anlässen abzurunden.

 

Quellen: www.wikipedia.de, www.woerterbuch.babylon.com, Archiv Tambourenverein Neuenkirch

Helebardier